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Netzentgelte neu gedacht: Warum die ÜNB mehr Flexibilität ins System bringen wollen

Blockchain

Das Diskussionspapier, um das es hier geht, stammt von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Es ist kein Regierungsauftrag und auch keine Vorentscheidung der Bundesnetzagentur, sondern ein fachlicher Vorschlag derjenigen, die das Übertragungsnetz täglich betreiben.

Genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Die ÜNB zeigen, was sie für technisch machbar und regulatorisch sinnvoll halten – nicht mehr und nicht weniger. Kern des Papiers ist die Idee, Netzentgelte nicht mehr statisch zu definieren, sondern dynamisch an der erwarteten Netzsituation auszurichten.

Die Grundüberlegung dahinter ist nachvollziehbar. Wenn Stromerzeugung und Verbrauch immer volatiler werden, weil Wind und Sonne den Takt vorgeben, wäre es konsequent, auch die Netzentgelte beweglicher zu gestalten. Wer in Stunden mit hoher Netzlast Strom bezieht, würde dann mehr zahlen, wer in entspannteren Zeiten lädt, produziert oder verbraucht, entsprechend weniger.

Damit ein solches System funktionieren kann, müssen Netzentgelte regional differenziert werden. Die ÜNB schlagen dazu jene 22 Planungsregionen vor, die sie ohnehin für die Netzbetriebsplanung nutzen. Das wirkt auf den ersten Blick plausibel, denn Engpässe sind heute eben nicht mehr nationale Durchschnittsprobleme, sondern treten regional sehr unterschiedlich auf. Eine pauschale „Deutschlandlogik“ würde an dieser Realität vorbeischießen.

Ein schwieriger Punkt ist der richtige Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Preise. Die Netzbetreiber halten den Vortag für sinnvoll. Zu früh würden die Prognosen zu ungenau, zu spät ließen sich Lasten kaum noch anpassen. Ob dieser Mittelweg wirklich trägt, bleibt offen. Es ist jedenfalls ein Balanceakt zwischen technischer Machbarkeit und praktischem Nutzen.

Bemerkenswert offen sprechen die ÜNB über die Risiken. Sehr präzise Prognosen wären zwingend notwendig. Schon heute weiß man, wie anspruchsvoll es ist, Einspeisung, Last und Engpässe einen Tag im Voraus sauber abzuschätzen. Wenn sich ein dynamisches Netzentgelt auf unsichere Prognosen stützt, wird das Preissignal im Zweifel zum Zufallssignal – und das würde mehr schaden als helfen.

Hinzu kommt, dass ein solches System zwangsläufig Gewinner und Verlierer erzeugt. Regionen nahe an Engpässen würden teurer, andere günstiger. Politisch ist das nicht ohne Sprengkraft. Auch die Frage, wie Industrie, Gewerbe und private Haushalte tatsächlich reagieren, ist völlig offen. Die wenigen Pilotprojekte liefern erste Hinweise, aber keine verlässliche Grundlage für ein bundesweites Rollout.

Ein weiterer Punkt, den die ÜNB ansprechen, ist das Risiko strategischer Verhaltensweisen. Wenn Preise vom erwarteten Netzengpass abhängen, könnte es für manche Akteure attraktiv sein, genau diese Engpassprognose zu beeinflussen. Das Risiko ist nicht dramatisch, aber real – und es zeigt, wie komplex die Einführung wäre. Unterm Strich entsteht ein Bild, das weder euphorisch noch ablehnend wirkt.

Dynamische Netzentgelte könnten helfen, Flexibilität besser zu nutzen und Netzausbau zu ergänzen, aber sie sind kein Selbstläufer. Ohne flächendeckende Smart-Meter, stabile IT-Systeme, gute Datenqualität und verlässliche Prognoseverfahren wird es nicht funktionieren. Und selbst dann bleibt es ein großes Lernprojekt.

Das Diskussionspapier wirkt deshalb weniger wie eine fertige Lösung, sondern eher wie ein Vorschlag für den nächsten logischen Schritt: ausprobieren, Erfahrungen sammeln, Grenzen erkennen. Ob daraus irgendwann ein regulierungsfähiges Modell wird, hängt nun an der Bundesnetzagentur und der Politik – und daran, wie viel Experimentierfreude man in Deutschland an diesem Punkt zulassen will.

Diskussionspapier.pdf

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